Vorträge / Gesprächsrunde
Gleich, aber anders
Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Medizin
Samstag, 13. November 2010,10.00 Uhr - 14.00 Uhr
Festsaal im Saarbrücker Schloss des Regionalverbands Saarbrücken,
Am Schlossplatz 1, 66119 Saarbrücken

Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland wird in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter steigen, so der Bericht des statistischen Bundesamts in Wiesbaden Ende Januar 2010. Im Jahr 2008 hatte fast jede/r fünfte Bürger/in der Bundesrepublik Deutschland (19 %) einen Migrationshintergrund, diese Personen sind entweder selbst zugewandert oder Kinder und Enkel von Zugewanderten.

Junge Menschen, ob mit oder ohne Migrationshintergrund, sind gleichermaßen von Erkrankungen betroffen, haben aber individuell unterschiedliche Bedürfnisse und Anliegen.

Die Wahrnehmung von Krankheit und Gesundheit und der Umgang mit Krankheit sind kulturell und individuell unterschiedlich und hängen von vielen verschiedenen Faktoren ab.

 

Das medizinische Versorgungssystem in Deutschland muss sich auf eine steigende Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund als Patienten einstellen. Eine angemessene Behandlung sollte migrationsspezifische Einflussfaktoren berücksichtigen, Anbieter im Gesundheitswesen müssen sich interkulturell öffnen.

Auch stellt sich die Frage nach durch Migrationserfahrungen bedingten Krankheiten sowie Barrieren im deutschen Gesundheitswesen, auf die Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und deren Familien treffen und die ihnen den Zugang zu medizinischer Aufklärung, Prävention und Versorgung erschweren.

Medizinisches Fachpersonal mit und ohne Migrationshintergrund muss sich mit Patientinnen und Patienten mit und ohne Migrationshintergrund und deren universellen und speziellen Krankheitsbildern beschäftigen.

Nach einer Einführung von Herrn Dr. med. K. Kühn, Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, präsentiert Frau Dr. med. R. Klein (Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz des Saarlandes) Daten, Zahlen und Fakten zu Prävention und Impfung im interkulturellen Bereich. Es folgt ein Vortrag über transkulturelle Pädiatrie von Frau PD Dr. med. E. Sievers (Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Referentin Sozialpädiatrie und Kinder- und Jugendgesundheitsdienst der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf). Frau Dr. med. E. D. Cindik (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberärztin in der Klinik in Süddeutschland, Gründerin der Firma Medizinische Beratung & Coaching, Referentin und Coach) hält einen Vortrag über besondere Bedingungen bei der medizinischen Behandlung von Menschen mit Migrationshintergrund und macht Vorschläge zur besseren Versorgung. Frau M. Fabregat, Dipl. Kinder- und Jugendpsychologin, Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin, stellt die Frage, ob und inwieweit Migration die Seele krank macht. In ihrem Vortrag mit dem Titel „Junge Migrantinnen in der Sprechstunde – spezielle Fragen und Aufklärung“ berichtet Frau Dr. med. U. Kling-Mondon,  Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Naturheilkunde, Kinder- und Jugendgynäkologie, von Beispielen und Erfahrungen mit jungen Mädchen mit Migrationshintergrund aus ihrer frauenärztlichen Praxis in Berlin-Kreuzberg zu den Bereichen Sexualität, Verhütung und Aufklärung.