Vorwort

ESSEN… nur ESSEN?


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen, liebe Freunde,

wenn ein im interkulturellen Bereich tätiger Verein das Thema „Essen“ für eine Veranstaltungsreihe auswählt, denkt man wahrscheinlich in erster Linie an Döner, Sushi und Pizza. Wir möchten Döner, Sushi und Pizza nicht ausdrücklich ausklammern, aber sie stehen nicht im Mittelpunkt unseres diesjährigen Veranstaltungsprogramms. Mit der Veranstaltungsreihe „ESSEN… nur ESSEN?“ möchten wir aufzeigen, wie tief und intensiv die Nahrung und Ernährungsweise Einblick in verschiedene Kulturen geben können. Essen hat neben dem Genuss und „Satt werden“ kulturelle, ökonomische, ethische, politische, philosophische, religiöse und noch viele weitere Dimensionen. „Du bist, was Du isst“, so sagt man. Wenn wir diese Aussage erweitern um die Aspekte wie und wann wir essen, können wir – übertrieben gesagt – vielfältige psychologische Analysen über einzelne Individuen oder Kulturen durchführen.
Wann wurde das Besteck eingeführt? Warum sprechen wir von Tischsitten? Wird in allen Kulturen an einem Tisch gegessen? Gibt es überall Mahlzeiten und sind sie überall zu den selben Zeiten? Wie werden Mahlzeiten zubereitet oder eingenommen und haben sie bestimmte Aufgaben im sozialen Kontext, wie es etwa bei ritualisierten Mahlzeiten der Fall ist?
In der Begegnung mit Eltern der Kleinkinder in den Kitas, mit den Schülern in den Schulen, mit den Patienten und Personal in Krankenhäusern, also überall da, wo Großküchen für das Essen sorgen, kann es zu gesundheitlichen, ökonomischen und sogar zur philosophischen Fragestellungen durch Ess- und Trinkverhalten der Beteiligten kommen - unabhängig davon aus welcher Kultur sie stammen. Kaum ein Handlungsfeld in unserem Alltag ist so gegenwärtig wie das des Essens.

Vieles, was mit dem Essen und Trinken zusammenhängt, ist nicht nur individuell und kulturell bedingt unterschiedlich, sondern befindet sich auch durch Technisierung, Globalisierung und durch den Einfluss wissenschaftlicher, gesundheitlicher Untersuchungen in stetigem Wandel. Dazu zählen das Essverhalten, die Auswahl der Speisen und Ähnliches. Manche machen die Ernährung fast zu einer Art „Religion“. Sie sind VegetarierInnen, VeganerInnen oder BiokonsumentInnen. Andere lassen ihr Essverhalten durch die Religion diktieren. Sie halten sich an die Essgebote und Essverbote, die vor tausenden von Jahren festgeschrieben worden sind.
Und nun begegnen wir einander: Menschen aus unterschiedlichen Kulturen in Deutschland, im Saarland, in Saarbrücken, im Restaurant in der Altstadt, in der Kita, in der Ganztagsschule mit Schulkantine, im Krankenhaus, auf festlichen Veranstaltungen… und wir wollen essen!
Die Veranstaltungsreihe 2013 hat zum Ziel, einen Einblick in den ganzen Kontext zu geben. Wir wollen besser verstehen, uns bewusster Verhalten und dabei auch genießen. Und dazu laden wir Sie alle herzlich ein!

Ikbal Berber, M. A.
Präsidentin von Ramesch e.V.