Ramesch e.V. präsentiert 

Idil Nuna Baydar aka Jilet Ayse

und ihr Kabarettprogramm "Ghettolektuell"

am 22.11. um 20 Uhr im Saarbrücker Schlosskeller.

 

 

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Vorwort

"Orientierung in Zeiten der Globalisierung"

Liebe Freunde von Ramesch,

was passiert in dieser Welt? Wenn Sie die Nachrichten hören oder lesen, werden Sie überwältigt von den Ereignissen in fernen Ländern, in Deutschland, in Ihrem Heimatort, aber auch in Ihrem Viertel. War früher alles anders? War früher alles besser? Ist an allem die Globalisierung Schuld? Ich weiß es nicht.

Globalisierung: für die einen das Teufelswort, mit dem sie die Macht der Finanzmärkte, die Kriege, die Ausbeutung verbinden; für die andern bedeutet sie eine Chance, die Humanisierung zu verbreiten, sich zu solidarisieren mit den benachteiligten Völkern. Globalisierung ist jedoch kein neues Phänomen. Sie begann mit den ersten Handelsbeziehungen zwischen den fernasiatischen, den orientalischen und den europäischen Völkern. Es gibt sie seit dem Bestreben, die eigene Religion zu verbreiten und seit der Entdeckung Amerikas. Im vergangenen und in diesem Jahrhundert hat aber die Globalisierung durch die Industrialisierung, die Entwicklung der Kommunikationstechnologien, durch die Öffnung der Finanz- und Wirtschaftsmärkte und durch die Migration eine neue Dimension bekommen: es treffen unweigerlich verschiedene Kulturen aufeinander.

Doch die Globalisierung ist nicht gottgegeben, sie ist von Menschen gewollt und gemacht. Es ist sinnlos, sie aufhalten zu wollen. Der „arabische Frühling“ wäre wahrscheinlich ohne die weltweite Verbreitung moderner Kommunikationstechnologien wie Facebook oder Twitter nicht möglich gewesen. Aber was kommt nach dem Frühling? Was muss passieren, damit dem Frühling ein „arabischer Sommer“ folgt? Wir müssen die Globalisierung gestalten. Sie kann aber nur gestaltet werden, wenn das Interesse über die wirtschaftliche Verwertbarkeit hinausgeht, das heißt, wenn die Mitglieder unterschiedlicher Kulturen sich auf gleicher Augenhöhe und gleichberechtigt begegnen, sich gegenseitig respektieren und bereit sind, voneinander zu lernen.

Die Grundlage des Erfolgs im Dialog der Kulturen und der Religionen ist der gegenseitige Respekt, eine Orientierung an konkreten Wertvorstellungen und eine bewusste und selbstbewusste Identität. Menschen entledigen sich nicht ihrer Kultur und ihrer Geschichte, wenn sie sich fortbewegen. Sie bringen ihre Kultur, ihre Erfahrungen mit. Sie begegnen der Mehrheitskultur. Sie erfahren neue Fragestellungen und Lösungen. Die Mehrheitskultur wird mit anderen, kulturell bedingten Antworten für alte Fragen konfrontiert. Hinzu kommen der technische Fortschritt, die Veränderung des Umfelds und der Arbeitswelt,…. Das Vertraute, Bekannte, Gewöhnliche macht Platz für das Neue, Fremde, Unbekannte. Die Kultur befindet sich im stetigen Wandel. Für die Mitglieder der Gesellschaft, die damit nicht schritthalten können, kann dies Entfremdung und Orientierungslosigkeit bedeuten. Sie fühlen sich überfordert. Überforderung und Orientierungslosigkeit schaffen Raum für Extremismus und Fundamentalismus.

Für ein friedliches Zusammenleben, für eine Chance voneinander lernen und konstruktiv die Zukunft gemeinsam gestalten zu können, müssen wir die Vielfalt in Würde und gegenseitigem Respekt akzeptieren. Menschen, die nicht respektiert werden, sind in ihrer Würde verletzt. Sie sind entwurzelt und orientierungslos. Die Globalisierung darf nicht immer mehr „Verlierer“ produzieren. Wir wollen in unserer diesjährigen Veranstaltungsreihe die Gründe der Orientierungslosigkeit und deren Auswirkungen in heutiger Zeit genauer analysieren und die Möglichkeiten jedes Einzelnen, verschiedener Institutionen und der Politik im Hinblick auf die Gestaltung der Globalisierung diskutieren. Dies geschieht wie immer in Form von Vorträgen, Gesprächsrunden, kulturellen Veranstaltungen mit namhaften Autoren und Künstlern auf diesem Gebiet.

Ich freue mich, Sie auf unseren Veranstaltungen begrüßen zu können.

Ikbal Berber, M.A.
Präsidentin von Ramesch e.V.